Freitag, 3. März 2017

Car2Go blockiert Einfahrt zum Garagenhof - und niemand ist zuständig

Tatort: Düsseldorf, Pempelfort. Tatzeit: Freitag Abend nach der Tageschau. Ein Car2Go-Smart blockiert die Einfahrt zu einem Garagenhof mit rund 50 Stellplätzen und Garagen in einem Wohnblock. Im Display blinkt es rot: "Fahrzeug defekt". Vom Fahrer weit und breit keine Spur. Auf der schmalen Wohnstraße stehen über zehn Fahrzeuge in 'zweiter Reihe', weil niemand zu seiner Garage kann.


Mit Car2Go, dem Ordnungsamt und mit der Polizei wurde bereits vor einer Stunde telefoniert. Niemand ist zuständig. Car2Go sagt: "Suchen Sie den Fahrer." Das Ordnungsamt sagt: "Wegräumen um rein zu fahren gibt es nicht. Wenn jemand raus müsste, wäre es etwas anderes." Muss aber gerade niemand raus. Ist ja Freitag Abend und alle wollen rein. Die Polizei sagt: "Keine Gefahr in Verzug. Da ist dann das Ordnungsamt zuständig." Das Ordnungsamt sagt: "Man könne einen Abschlepper auf eigene Rechnung bestellen und gegen Vorkasse abschleppen lassen und sich das Geld irgendwie vom Halter und Fahrer wieder beschaffen." Car2Go sagt: "Wir schicken jemanden mit Vorrang."

22 Uhr. Manche stehen jetzt schon drei Stunden auf der Straße. Frieren und Warten. Vorrang ist eben bei Car2Go auch eine relative Sache.

Am Ende konnte sich das kleinste Auto der Wartegemeinschaft über den Bürgersteig in die Einfahrt schlängeln. Nun ist er derjenige, der raus will. Das Ordnungsamt kommt direkt, Car2Go schickt jemand, der das Fahrzeug öffnet, die Batterie überbrückt und zur Seite fährt. Nach vier Stunden löst sich der Stau auf und alle bleiben genervt zurück. Guter Start ins Wochenende! Danke für nichts.

Donnerstag, 29. September 2016

Social Media Highlights: Opel hat den Längeren

Ich sammele für Schulungen und Vorträge immer gerne gute Beispiele verstandener Social Media Kommunikation. Dabei überlegen wir auch häufig, wie sich eine gute Idee, in den entsprechenden Kanälen "weiterdrehen" ließe - also: Wie kann man einen oben draufsetzen ohne albern zu kopieren.

Heute haben die Kollegen von @OpelDE dem schwäbischen Wettbewerber @DAIMLER gezeigt, wie es geht. Anlässlich des Pariser Autosalons präsentierte der Stuttgarter Autobauer seine neue Elektromobilitätsmarke. Der Vorstandsvorsitzende Zetsche lässt dafür in einem animierten GIF Blitze zwischen seinen Handflächen zucken. Der Text dazu sagt, dass er einen Abschluss als Elektroingenieur habe:


Ein Tag später kommt die Retourkutsche von Opel in Form des verbesserten Amperas, der nun 500 km Reichweite habe. Der Vorstandsvorsitzen Karl Thomas Neumann stellt sich in vergleichbare Zetsche Pose, lässt die Blitze krachen, erhöht mit ausgestreckten Armen mal eben die Reichweite deutlich und grinst dazu schelmisch. Der Kommentar: "College is over!"


Das gefällt! So macht Social Media Spaß! Glückwunsch nach Rüsselsheim: Heute liegt ihr nach Punkten vorne und habt hoffentlich auch bei diesem Tweet die größere Reichweite.

Freitag, 15. Juli 2016

Kunde beschwert sich - Stadtwerke amüsieren sich

Die Straße, in der ich wohne wird gerade aufgerissen. Angeblich sollen Fernwärmeleitungen verlegt werden. Ich weiß zwar nicht, welche Haus in der Straße überhaupt ans Fernwärmenetz angeschlossen ist – aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Seite der Straße ist über die ganze Länge aufgerissen, so dass die Straße inzwischen zur Einbahnstraße erklärt wurde. Da es sich um eine Straße, im Düsseldorfer Zentrum handelt, parken die Autos gegenüber des abgesperrten Grabens auch nicht unbedingt ordnungsgemäß. Entsprechend eng ist die Durchfahrt.

Ich parke auf einem Garagenhof hinter der Häuserzeile mit einer schmalen Durchfahrt zur Straße. Wenn nun der Baggerfahrer seinen Bagger mit den Hinterrädern direkt am Ende der Absperrung der Hofeinfahrt abgestellt., verlängert sich der Kurvenweg bei gleichzeitiger Verengung des Radius: Es ist echt knapp bei der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf die Straße zu kommen.

Heute früh habe ich mich leicht verschätzt und bin mit meiner Fahrertür an das Hinterrad des Baggers geraten. Dem Hinterrad des Baggers machte das bei 2,50 Meter Höhe nichts, meine Fahrertür hat eine Beule und einen schwarzen Streifen.

Ich habe mich natürlich über mich und über den Bagger geärgert. Ich wollte die Stadtwerke Düsseldorf anrufen, um darauf hinzuweisen, dass der Bagger lieber ein oder zwei Meter vorfahren und dann erst abgestellt werden sollte.

Soweit die Sachlage. Dann kam mein Anruf bei den Stadtwerken.

Von der Kundenhotline wurde ich zur Zentrale durchgestellt und dann an einen Herrn B. aus dem Bereich Netze. Die erste Reaktion war ein Klassiker: „Ich bin dafür nicht zuständig.“ Man fragt sich manchmal wie ein Land zusammenhängen und funktionieren kann, in dem nie jemand für irgendetwas zuständig ist – aber das ist eine andere Geschichte.

Herr B. könne aber irgendjemanden bescheid sagen, der jemanden bescheid sagt, der dann mit dem Baggerfahrer reden könne – auf gut Deutsch: Hier wird nichts passieren.  Das war zumindest das Gefühl, dass sich bei mir festsetzte und  da ich mich aufregte sagte ich dann irgendwann: „Dieser Scheiß-Bagger…“ - das war mein Fehler. Denn darauf erwiderte Herr B., wenn ich „Scheiß-Bagger“ sage, dann könne man darauf nur antworten, dass der Autofahrer halt nicht Auto fahren könne.

Daraufhin fing Herr B. an zu lachen. Und lachte. Und hörte nicht auf. Und lachte weiter. Und auf die Frage, warum er lache, lachte er weiter. Auf die Frage, was ihm an meiner Frustration so gute Laune bereite, antwortete Herr B., dass er heute seinen letzten Arbeitstag habe und dann in den Urlaub gehe.

Liebe Stadtwerke,

so geht das nicht! Natürlich dürft ihr uns  als eure Kunden kacke finden und dürft uns auch gerne auslachen. Aber es ist keine so gute Idee, zu erwarten, dass der Kunde da gerne mitlachen möchte.

Wenn ihr über uns lacht, dann macht das bitte weniger öffentlich. Setzt euch doch dazu ins Hinterzimmer, wo ihr das Geld zählt, dass ihr mit uns verdient.

Wenn ich bisher keinen Grund hatte zu kündigen, Herr B. hat mir nun einen geliefert.

Ach so, liebe Stadtwerke, euren Bagger könnt ihr trotzdem bitte von der Ausfahrt wegfahren – auch wenn ihr nicht zuständig seid.

Danke.

Freitag, 17. Juni 2016

Warum ich die #DuzRevolution ausrief


Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Freund pauschaler Kollektivverbrüderung bin: Plumpes Spontan-Geduze geht mir gegen den Strich. Besuche im Fitness-Center werden so zum Spießrutenlauf und Einkäufe bei IKEA zu Horrortrips zwischen Holzregalen. Und ausgerechnet ich, der ich immer eher auf ein solides "Sie" anstatt eines dusseligen "Du" setze, habe via Twitter zur "Duz-Revolution" aufgerufen.

Was ist passiert?

Eigentlich nicht viel. Und direkt mit mir hat es auch nicht zu tun. Wir haben im Büro diskutiert: „He, wie sprechen wir eigentlich unsere Fans und Follower auf Facebook und Twitter an? ‚Du‘ oder ‚Sie‘?“ „Na, ja, ist ja Social Media als doch ‚Du‘.“ Kollektives Nicken im Team. Pause. Dann die ketzerische Rückfrage: „Aber warum siezen wir dann auf der Website?“ Schulterzucken. Ratlosigkeit.

Das „Du“ ist der Reflex, wenn man Social Media nur erwähnt. Kann man ja alles machen, wenn man möchte. Aber es ist nicht konsequent und führt zu unnötigen Brüchen, im Kundendialog. Was ändert sich an der Nutzer-Beziehung in dem Moment, in dem er auf der Website auf den Button „Folgen Sie uns auf Twitter“ klickt, so dass er im nächsten Augenblick in Social Media ein „Du“ geworden ist? Ehrlich gesagt, doch gar nichts, oder?

Sind die Sharing-Button wie die Eingangstür bei IKEA oder der Tresen im Fitness-Studio, wo jeder ebenfalls zum „Du“ wird, der direkt davor noch ein „Sie“ war?

Vielleicht sind die Nutzergruppen der Website und der Social Media Kanäle nicht völlig identisch, aber die Überschneidungen dürften schon groß sein. Also dann doch lieber auch bei Facebook, Twitter und Co. siezen?

Die Konsequenz kann auch eine andere sein: Radikales Durchgeduze auf allen Kanälen. So wie es heutzutage de facto ja in jedem Büro schon üblich ist. Die „Duz-Revolution“ aller Orten – sei auch Du dabei! Lasst euch alle duzen!

Aber wer mag, darf mich gerne auch siezen – ich sieze gerne auch zurück. 

Montag, 2. Mai 2016

Warum Klassentreffen doof sind

Nachdem ich heute Vormittag gefühlt 500 Mal das Wort "Klassentreffen" im Zusammenhang mit der re:publica in Berlin gelesen haben, muss ich mich doch glatt noch mal zu Wort melden: Klassentreffen sind kacke!

Ganz besonders dann, wenn man nicht in dieser Klasse oder sogar nicht einmal an der selben Schule war. Dann ist mal völlig außen vor. Dann sieht und hört man nur einen Haufen lärmender, zu laut lachender, völlig unbekannter Menschen, die einander erzählen, was sie im Leben schon alles erreicht haben. Die blockieren den großen Ecktisch bei unserem Lieblings-Italiener und wir empfinden das nur noch als lästig und störend.

Ein Treffen geschlossener Kreise - sei es ein Klassen- oder Familientreffen - wirkt auch auf Außenstehende nicht einladend. Niemand von den Insidern wird einen Outsider hineinbitten: "Es ist gerade so lustig bei uns, kommen Sie doch gerne noch dazu." Das ändert sich auch nicht, wenn man einige der 'Meiers' kennt, aber eigentlich selber ein 'Müller' ist.

Blöd auch, wenn man immer in der b war, aber die a immer viel cooler war. Dann kennt man die alle noch, gehört aber nie wirklich dazu. Trotzdem darf man zuhören, was sie im Leben schon erreicht haben. Und wenn die aus der a am großen Ecktisch sitzen, bleiben die aus der b zuhause.

Viele Menschen fühlen sich aber auch nicht einmal auf dem Treffen ihrer eigenen Klasse wohl. Eine Schulklasse ist ja auch keine Clique. Man hat nicht zu einander gefunden, weil man sich mag oder weil man gleich Hobbys hatte. Die Schulverwaltung hat die Klasse zusammengestellt - das einzig Verbindende: Der Wohnort und ein ähnliches Lebensalter.

Da mag man sich als Schüler in einem Klassenverband zusammenzuraufen, aber als Erwachsene muss da nicht mehr mitmachen. Jetzt kann man Menschen aus dem Weg gehen, die man früher schon blöd fand. Man muss sich auch keine endlosen Erfolgsgeschichten anhören und es gibt auch keinen Notenspiegel unter der eigenen Arbeit mehr.

Es mag nicht jeder in der Schulklasse doof gewesen sein, aber Freunde kann man auch so mal auf ein Bierchen treffen.

Es mag sein, dass die re:publica ein 'klasse Treffen' ist, aber hört auf, ständig vom "Klassentreffen" zu sprechen.

Ansonsten behält Gültigkeit, was ich bereits vor vier Jahren zum Treffen der 'Digitalen Avantgarde' schrieb und bleibe der ewige Sitzenbleiber aus der b.